Dienstag, August 29, 2006
posted by Sandman at 00:01

Eine Ode an das Fleisch auf der Seite einer Vegetarierin? Chnübli hat gemeint, meine Erlebnisberichte seien zu schade, um "nur" in ihrem E-Mail-Account zu landen, und so komme ich zu dieser Ehre.

“Mein Body für Gody” prangt gross neben der Zeichnung einer Sau auf dem Lieferwagen des Metzgers, welcher jeweilen für das Sommerfest unserer Firma grilliert. Gody ist ein Metzger, wie man ihn sich vorstellt: ein imposanter, riesiger Mann mit Bauch und Rauschebart, dem man ansieht, dass er seine Produkte auch gerne isst. Sein roter Kopf und leicht bläutscheligen Lippen machen uns etwas angst, dass er plötzlich während des Grillfestes zusammenbricht. Ob unsere Erste Hilfe - Kenntnisse, trotz fleissigen “ER”-Konsums, wohl ausreichen? Wir sind jedes Jahr froh, nicht auf die Probe gestellt zu werden.
Wenn man so richtig Hunger hat, der Apéro langsam aufgegessen ist und jeder ein Platz gefunden hat, wird man nochmals so richtig auf die Probe gestellt. Nach dem Motto “ich bin auch ein Alleinunterhalter” lässt Gody erst mal eine Runde Witze vom Stapel. Kenner wissen: in jedem Jahr die gleichen. Dann endlich kommt das Highlight: das Fleisch! Allerdings wird nicht, wie bei einem profanen Grillfest, eine Ladung auf den Grill geschmissen und dann verzehrt, oh nein. Man steht schön gesittet Schlange vor der Auslage mit etwa zwanzig Sorten, sucht sich ein feines Stück aus, das dann der Gody perfekt grilliert, mit warmer Kräuterbutter versieht und dann - endlich - im Teller landet. Mein Strauss schmeckte so richtig zart und fein, ein derartiges Stück Fleisch habe ich schon lange nicht mehr genossen! Leider reicht der Hunger niemals aus, um nur schon alle Sorten Kräuterbutter zu probieren. So zwackt man denn einfach hier und dort einem Kollegen ein Stücklein ab, damit man die Ente, das Pferd, das Zitronenpfefferschnitzel, den Hirsch, das Heuersteak und was es alles sonst noch gibt, kosten kann.
Wer tief in Godys Gunst steht, bekommt zu seinem Fleisch auch noch ein Stücklein Ananas oder Kirsche. Der Chef hat stolz-grinsend mit den Worten “sehen sie, ich habe eine Ananas bekommen” seinen Teller herumgezeigt. Meine Tischnachbarin hat es in eine noch höhere Liga geschafft und sogar Petersilie und Blume auf ihrem Teller aufgefunden. Auch nach drei Jahren ist mir nie eine solche Ehre zu teil geworden. Doch ich verneige mein Haupt vor Godys Produkten und seinen Grillkünsten, und die Widrigkeiten des Montags sind schon fast vergessen. Der Mensch ist halt doch Karnivore.
 
2 Comments:


At 8/28/2006 09:30:00 nachm., Blogger ChliiTierChnübler

Hie Sandman, Du trotzt wohl noch als letzter dem trüben Wetter während andere schon darüber nachdenken einen Raclette-Abend zu organisieren :-)
Als Vegi sage ich dazu nur IIIEEEKKK und lese weiter meine Berichte über Schweinekrankheiten, wie war das nochmal mit der Hypothermie oder Hyperthermie beim Anästhesieren? Und war das genetisch und überhaupt...

 

At 8/28/2006 09:51:00 nachm., Anonymous luketown

hat der gody auch ein original dönertier? dann wäre er nicht nur gody sondern gott ;-)