Dienstag, Oktober 30, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 09:03

Eine Quotenregelung in der Gastronomie würde meine Restaurantbesuche um einiges erfreulicher gestalten. Bis auf einen Fall - in der Gartenbeiz des Zürcher Kinos Metropol - wurde ich von männlichen Kellnern immer sehr zuvorkommend umsorgt. Ob's am Dekolleté lag ist mir eigentlich egal, der Service sollte unabhängig vom Geschlecht in einer profesionellen Freundlichkeit möglich sein.

Selbstverständlich ist es ein harter Job und natürlich sind die Gäste alles Nörgler. Trotzdem ist es das Geld der Kundschaft, das die Bude am Laufen hält. Und gerade in Solothurn, mit der höchsten Restaurantdichte der Schweiz, kann die Person, die den Teller bringt, auch dem besten Küchenchef die Suppe versalzen.

Aber zurück zur Quotenregelung. Die guten Erfahrungen - mit oder ohne Dekolleté - mit männlichen Servicefachangestellten waren jeweils so hocherfreulich, dass ich finde, es sollten künftig Männer in dieser Berufsgruppe gefördert werden. Zumindest Studenten könnten schon alleine mit dem Trinkgeld ihre in den Banken arbeiteten Kommilitonen weitaus übertrumpfen. Denn wie gesagt, guter Service ist rar, und die moderne Frau geht heute auch ohne Mann auswärts essen.
Nur mit einem Lächeln einen Zustupf verdienen ist doch wahrlich eine akzeptable Form der Prostitution. Und der Arbeitgeber hat ein voll besetztes Lokal dadurch.

Die bisher freundlichste Bedienung im Jahr 2007 hatten meine Freundinnen und ich durch Miguel im Solbad-Hotel in Sigriswil, wo ich meinen Geburtstag feierte. Seit gestern gibt es aber eine neue Nummere 1 auf der Chnübli-Liste: die Weinhandlung mit Restaurant Vini al Grappolo in der Solothurner Vorstadt. Ausgezeichnetes Essen, guter Wein, beste Bedienung 2007. Natürlich durch einen Mann.

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21 Comments:


At 10/30/2007 09:43:00 vorm., Anonymous Captain Cook

Das ist wirklich etwas, was ich noch nie verstanden habe. Wenn mir freundlich sein Geld bringen würde, ich wäre den ganzen Tag mit einem lächeln unterwegs. Weil so schwierig ist es tatsächlich nicht. Als Mann sind mir natürlich weibliche Serviceangestellte lieber, weil ausser im Bären und im Sternen sind diese Geschöpfe ausnahmlos wunderhübsch und das Trinkgeld wird progressiv steigend mit dem Décolleté verknüpft.

 

At 10/30/2007 10:56:00 vorm., Anonymous des pudels kern

ich hatte heute morgen (wie schon so manchen morgen) wieder mal die spezies schlechtes männliches servierpersonal. normalerweise wird man in meiner morgenlatte*-zeitungslesen-stammcafé hervorragenden bedient, aber in letzter zeit ist ein neuer da, der nur mit einem halben ohr zuhört, ständig falsche sachen bringt oder die hälfte vergisst. so vergeht einem die lust überteuerten milchkaffee zu trinken.

*pun intended

 

At 10/30/2007 11:00:00 vorm., Anonymous chilldogg

Natürlich ;-)
Aber Du hast Recht. Das fällt mir auch immer wieder auf. Mädels neigen, auch in der Gastronomie und trotz Aussicht auf gekürztes Trinkgeld, zur Stutenbissigkeit. Ich werde es nie verstehen..

 

At 10/30/2007 11:19:00 vorm., Anonymous Ray

Ich bin altmodisch. Mir gefällt der Service den man in *teuren* amerikanischen Hotels/Restaurants kriegt. Da wird man von jemandem am Tisch platziert und schwupps! kommt eine hübsche junge Frau, sag "Hi! I'm Cindy/Wendy/Charlie and I'm here to serve you and to make your evening enyoable!" Kann auch ein Mann sein. Die sind gut drauf und der Service ist perfekt weil die Leute STOLZ sind auf ihren Beruf und weil sie STOLZ sind, in einem teuren Restaurant zu arbeiten.

Rückschlüsse auf die Schweiz erlaubt.

 

At 10/30/2007 11:46:00 vorm., Anonymous Anonym

Was mir beim Service in den USA/Kanada gefällt, ist dass wenn Sie dich beraten, immer auf die Knie gehen, damit das Personal gleich gross ist wie die Leute welche am Tisch sitzen. Ausserdem wie Ray bereits gesagt, Sie sind stolz so einen job zu haben und dies merkt man ihnen auch an.
Sie geben sich richtig mühe, was ich von den Schweizern nicht immer behaupten kann (leider).

 

At 10/30/2007 02:13:00 nachm., Blogger ChliiTierChnübler

@Captain Cook: Ah, deshalb hab ich in den Aushilfsjobs im Service immer so gut verdient :) Ich denke zwar, es lag auch am steten Lächeln.

@Des Pudels Kern: Wirklich schade, können Sie die Morgenlatte* momentan nicht mehr so geniessen, wie es eine Morgenlatte* eigentlich verdient hätte.

* ;D

@Chilldogg: Ich beisse zwar besser, aber die andere weiss dass sie am längeren Drücker sitzt, an dem Knopf nämlich, der mir die geliebte, dunkle Brühe verschafft. Interessanterweise passierte mir das in Alternativen Fresstempeln nie. Dort sind auch die Weibchen gut gelaunt.

@Ray: Jetzt weiss ich auch WARUM die Amis so fett sind! Ich würde ja auch ständig auswärts essen, wenn das Essen so günstig und der Service so hervorragend ist. Ist auch wirklich ein toller Job. Wenn ich denke, wieviele Leute ich durch den Job kennenlernen durfte, echt spannend. Allerdings gab's auch Kundschaft, die einem wie Dreck behandelten und 3x nachgerechnet haben. Aber hej, die gibt's überall.

@A: Ich mag das auch, wenn beim Rechnungen zusammenzählen der Kellner sich kurz hinsetzt oder in die Hocke geht.
Vielleicht würde mit etwas mehr Freundlichkeit des Servicepersonals auch der Respekt der Kunden wieder steigen. Aber so ist es ein sich immer aussichtslos drehender Teufelskreis.

 

At 10/30/2007 03:07:00 nachm., Blogger genti

Ich wünsch mir Personal, dass mich überhaupt versteht. Ist bei weitem nicht immer der Fall.

 

At 10/30/2007 03:35:00 nachm., Anonymous Mr. Meteoman

@Ray: in den US of A ist man auch nicht Servierdüse sondern Servicemanager. Man kann Sklaven auch sagen, sie seien Workflowmanager. Irgendwann glauben sie dran.

Ob die Leute tatsächlich 'stolz' darauf sind oder nur Angst haben, gefeuert zu werden, das ist ne andere Frage.

Meine Erfahrung mit amerikanischen Angestellten war meistens ähnlich: lächeln,freundlich,strohdumm.

Ach ja, WO zur Hölle ist das Gartenrestaurant vom Metropol? Da war ich noch nie, obwohl ich soo häufig im Metropol bin. Meinst du ev. das ABC?

 

At 10/30/2007 04:49:00 nachm., Blogger ElMagnifico

also beim Metropol hats kein Gartenrestaurant - nur einen hässlichen Hinterhof...

Die Sache mit den netten Angestellten in den USA lässst sich viel einfacher erklären als mit Stolz. Die haben oftmals keinen Fixlohn sondern leben nur vom Tip. Also freundlich sein sonst gibts nur Wasser zu hause!

Meine Erfahrungen mit männlichem Servicepersonal sind so zwiegespalten, wie die mit dem weiblichen...

 

At 10/30/2007 07:00:00 nachm., Blogger ChliiTierChnübler

@Genti: Auf Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch?

@Mr. Meteoman: Frag mal C., sie war mit mir dort. Auf dem Platz vor dem Kino. Da es dort Bäume hat, würde ich das als Garten einstufen.
Servicemanager, klingt doch gut :)

@ElMagnifico: Bäume! Ich bin mit wenig zufrieden.

@all: Vini al Grappolo testen! Reservation notwendig. (Chnübli kommt dann auch mit Wein trinken.)

 

At 10/30/2007 07:19:00 nachm., Anonymous Simon Columbus

@ Ray:

Das hat nicht zufällig etwas damit zu tun, dass amerikanische Kellner deutlich abhängiger von ihrem Trinkgeld sind?

Mit Stolz würde ich das nicht verknüpfen...

 

At 10/30/2007 07:51:00 nachm., Anonymous rb

Du solltest für die Weltwoche schreiben! ;-)

 

At 10/30/2007 08:25:00 nachm., Anonymous Florian

Geben Frauen wirklich Trinkgeld? Ich persönlich habe das Gefühl (achtung sehr subjektiv), dass Frauen zumindest in der Schweiz weniger bereit sind, Trinkgeld zu zahlen, aber ich kann mich irren.

 

At 10/30/2007 09:33:00 nachm., Blogger ChliiTierChnübler

@SimonColumbus: Da kann ich leider nicht mitreden. War leider noch nie jenseits des Atlantiks.

@Rb: Lieber das TagiMagi, aber da schreibt ja schon die Michèle Roten. Und die Weltwoche ist doch momentan nur langweilig mit noch mehr Politanalysen. Hoffe, die nächste wird besser...

@Florian: Sicher? Ich gebe gerne Trinkgeld. Wenn der Service gut war. Somit stimmt es, wir geben weniger Trinkgeld, weil wir wohl vom Service mehr als ein tiefes Dekolleté verlangen.

 

At 10/30/2007 10:35:00 nachm., Anonymous Ray

@Simon Columbus:

Das hat sicher auch damit zu tun. Die individuellen Amis sehen sich halt viel mehr als 'Ich-AG' - aber schon bevor sie vom Staat irgendwelche Renten beanspruchen. Sie müssen, keine Wahl, sie akzeptieren das abwegige Konzept, dass derjenige der zahlt, auch befiehlt und König ist.

Was ist daran falsch?

 

At 10/30/2007 11:03:00 nachm., Anonymous Mr. Meteoman

es ist ja schon ein Unterschied, ob man aus innerer Motivation freundlich ist oder ob es aufgesetzter Zwang ist.
Ja ja, Nutten schlafen auch mit Männern, weil Sex so was tolles ist...

@CTC: muss das ABC sein. Vor dem Metropol hats eigentlich nur Beton. Sind es viele Tische unter Platanen (oder sinds Ahorn?) Grosses Gebäude, steht glaube ich Movie dran, in Nähe des HB?

 

At 10/31/2007 12:16:00 vorm., Anonymous Ray

@meteoman: Wenn Du mir erklärt hast, wie man Motivation erzwingen kann und ich das verstehe, dann kaufe ich Dir ein Bier oder sowas.

@CTC: mit dem 'Movie' hat meteoman schon recht, das ist doch, was Du meintest, von der Beschreibung her..

 

At 10/31/2007 07:12:00 vorm., Blogger ChliiTierChnübler

Aha dort war das also... Danke!

 

At 10/31/2007 09:39:00 vorm., Blogger ElMagnifico

Motivation erzwingen? Ganz einfach...
Mal am Beispiel der Servicemanager in den USA:

Was ist die Alternative wenn du nicht Motiviert bei der Arbeit bist? (Schön höflich, nett, zuvorkommend dami es auch schön viel trinkgeld gibt)
Du lebst unter einer Brücke und ernährst dich vom Müll anderer.
Genug Zwang?

 

At 10/31/2007 09:40:00 vorm., Anonymous Mr. Meteoman

@Ray: in der Regel helfen anständige Arbeitsbedingungen und angemessene Entlöhnung ungemein bei der Entwicklung von Motivation.
Sprachlich hast du Recht, erzwungen kann Motivation nicht werden, aber gewisses Verhalten (Freundlickzeit,aufgesetztes Lächeln) kann erzwungen sein.

 

At 10/31/2007 11:29:00 vorm., Blogger Mischi

@Meteoman: Deshalb strahlt die Boner immer so...jetzt wird mir einiges klar. Hr Hr Hr.