Mittwoch, Oktober 24, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 18:07

Was meint Ihr, könnte man mit einem Schwangerschaftstest aus der Apotheke auch nachweisen, ob eine Kuh trächtig ist?
Die Antwort lautet: nein. Somit hatten Florian, Freddy und Bugsierer recht.
Nur, warum nicht?
Wie Freddy richtig erwähnte, weist man im humanen Schwangerschaftstest ein Hormon nach, das humane Chorionic-Gonadotropin (hCG). Für die Produktion dieses Hormons ist die befruchteten Eizelle verantwortlich. So gesehen ist es die erste wesentliche Differenzierungsleistung des frisch gezeugten Embryos.
Das hCG ist bereits ab dem 5.-6. Tag im Urin und dem Blut der Mutter nachweisbar. Der Schwangerschaftstest aus der Apotheke hat Antikörper gegen dieses Hormon auf dem Teststreifen, das sich an das hCG aus dem mütterlichen Harn bindet und mittels weiterer Signalantikörper, die auf einer Linie des Teststreifens sitzen, einen Farbumschlag auf dem Streifen erzeugen.
Zurück aber zu den Kühen:
Warum könnte man dort nicht einfach das entsprechende Hormon nachweisen? Es müsste dazu doch einfach ein Teststreifen angepasst werden?
Meine Antwort dazu ist ganz simpel: es ist nicht nötig.
Der Zyklus der Kuh (21 Tage) und der der Frau (28 Tage) unterscheidet sich nicht nur in der Länge der Tage, sondern auch durch die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Schleimhaut der Gebärmutter (Uterus). Wenn sich der menschliche Embryo am 5.-6. Tag nach der Befruchtung bereits im Endometrium des Uterus implantiert, dauert es bei der Kuh 20 Tage bis zur Anhaftung. Erst ab diesem Zeitpunkt produziert der Embryo oben genanntes Hormon.
Ja aber dann könnte man doch ab dem 20. Tag bei der Kuh einen Test machen?
Meine Antwort dazu ist wiederum, es ist nicht nötig. Die Natur ist nämlich der beste Schwangerschaftstest überhaupt.
Kühe zeigen Brunstsymptome. Diese bleiben aus, wenn die Kuh trächtig ist. Erfolgt keine Implantation einer befruchteten Eizelle bis zum 20. Tag, fällt der Spiegel des von der Mutter produzierten Hormons Progesteron, das für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft nötig ist, im Blut ab. Über endokrine Regelkreise und diverse Hormone, die ich nun nicht näher erklären will, kommt es bei der Kuh kurz vor dem Eisprung - und damit Beginn eines nächsten 21-tägigen Zyklus - zu den Brunstsymptomen. Diese können vom Bauern beobachtet werden und sind für ihn ein sicheres Zeichen, dass die Kuh nicht trächtig ist und kurz vor dem nächsten Eisprung steht. Umgangssprachlich nennt man das "stierig". Die Kühe lassen andere Kühe aufreiten (Duldungsreflex), manche Brüllen und zeigen starken Bewegungsdrang, Schleimbiludng in/an der Vulva und Milchrückgang. Das ganze dauert einen Tag und danach sollte innert 6 Stunden besamt werden.
Könnte man trotzdem einen Test machen?
Theoretisch ja, nur wird niemand daran interessiert sein. Einen Test, den man erst am 20. Tag einsetzen kann, wohingegen 2 Tage später Brunstsymptome gratis sichtbar sind, wird niemand bezahlen.
Haben Frauen denn keine Brunstsymptome?
Nein. Da könnt Ihr jetzt gerne in den Kommentaren versuchen das Gegenteil zu beweisen. Aber wissenschaftlich gsehen gibt es solche nicht. Manche Frauen spüren den Eisprung als sogenannten "Mittelschmerz", ein Ziehen im Unterbauch, das monatlich die Seite wechselt. Weitere Brunstsymptome sind in keiner Studie veröffentlicht worden.
Leider konnte ich die zahlreichen Kommentare heute nur via Handy lesen aber nicht beantworten, weil ich in einer Internet-freien Praxis gearbeitet habe (ja das soll's geben.) Gefreut habe ich mich trotzdem. Vielen Dank für's Raten!
PS:
Eine interessante Frage stellte gerade Filomenal. Und weitere Unterschiede zwischen Haussäugern und dem Menschen gab's bei mir im letzten Jahr.
Labels: Life of Chnübli, Rätsel, Vetmed
Dienstag, Oktober 02, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 12:16
Sonntag, September 30, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 21:04
posted by ChliiTierChnübler at 00:17
Samstag, September 29, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 13:55
Freitag, September 28, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 21:09
Donnerstag, September 27, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 18:24
Donnerstag, September 06, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 16:30
"(...) Testet man auf OLV(GSM40) verpassen wir die richtig Positiven. Mit dem Peptid SU(1163) aber können wir vermehrt falsch Negative aussortieren (...). Und wie sieht das nun mit der Nagelprobe aus?"Hä??
Und das noch bis 18 Uhr. Zum Glück arbeite ich auch in Seminaren mit dem Mac und hab' Zugang zum wirelessen Uninetz.Ein kleines Rätsel: Wer errät das Thema des Seminars?
Edit:
Gratulation! So ungefähr wurde es erraten. Es ging um die Entwicklung eines diagnostischen Tests für die Erkennung der Lentiviren der kleinen Wiederkäuer (Schaf und Ziege). Das allen bekannte HI-Virus gehört ebenfalls dieser Gattung an.
Vor 20 Jahren beschloss man in der Schweiz als erstes Land das Caprines-Arthritis-Encephalitis-Virus (CAE-V) der Ziegen auszurotten. Von einer 75 %igen Durchseuchung schaffte man es mit Eradikation (Ausmerzung/Tötung) der versuchten Ziegen auf eine Prävalenz (Auftreten der Krankheit) von 1%.
Warum keine 0%? War der Test ungenügend? Nein. Man hat dann herausgefunden, dass das Virus auch in Schafen vorkommt. War es etwa verwandt mit dem Lentivirus des Schafes, dem Maedi-Visna, das aber andere Krankheitssymptome macht? Und tatsächlich waren die beiden Viren phylogenetisch verwandt. Nur sind bis auf Island alle Schafe zu 80% verseucht. Island hat einfach alle Schafe von betroffenen Betrieben getötet. Solange es kein gesamteuropäisches Konzept gibt, ist eine Ausmerzung fast unmöglich.
In diesem Virologie-Seminar wurde uns das Testverfahren näher erklärt. "Falsch Negativ" ist ein Tier, das der Test als "gesund" deklariert, es aber nicht ist. Solange dieses Tier in der Herde ist, wird es alle anderen anstecken, da das Virus lebenslang im Organismus ist.
Alle die auf "Test" getippt haben, lagen richtig. Leider können wir aber nicht das Virus nachweisen, sondern nur die Antikörper, die das Immunsystem des Tieres produziert. Der Virus kann nicht vom Tier selber eliminiert werden und die Nachkommen werden durch die Milch angesteckt oder durch das Trinken aus dem gleichen Wasserbehälter. Das Dumme ist nur, dass die Antikörper erst spät im Leben im Blut erscheinen und solange sind sie laut Test gesund.
Uff, somit entlasse ich mich und Euch ins wohlverdiente Wochenende. Vielen Dank für's Raten, es hat mir meine Stunden hier im Seminar versüsst.
Labels: Vetmed
Dienstag, September 04, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 20:28
Folgende Erkenntnisse erlangte ich in den ersten 48 Stunden Pathologie:
1)
Ich kann ohne Probleme während 4 Stunden ausschliesslich durch den Mund atmen - solange ich schweige.
2)
Kühe stinken auch von innen.
3)
Wenn man einen Penis auf einem Diapositiv als Rinderzunge identifiziert, ist das nicht nur ziemlich falsch, sondern anscheinend auch so lustig, dass es die Kollegen mit Genuss weitererzählen.
4)
Es ist ziemlich kuhl, sowas zu haben.
Labels: Sektionshalle, Vetmed
Dienstag, August 21, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 20:15
Kühe stinken. Aber nach 2 Tagen merke ich es schon kaum mehr. Meistens rieche ich es erst, wenn ich frisch geduscht ins Auto steige und mich der Geruch meiner Arbeitskleidung daran erinnert, dass die Anschaffung einer zweiten Garnitur absolut keine Geldverschwendung wäre.Ich habe es nun bis zum Ende des Studiums geschafft, keinen Kuhstall ausserhalb der Tierspitals von innen zu sehen. Buiatrik entspricht nun wirklich nicht meinen Hauptinteressen in der Tiermedizin. Da stand ich nun am Montag Morgen mitten in der Berner Pampa, wo jedes Dörfchen auf die Namen "-wil", "-berg" oder "-kirch" endet und versuchte im matschigen Kuhkot möglichst ohne peinlichen Ausrutscher bis ans Ende des modernen Laufstalls zu waten. Die Investition in gute, rutschfeste Gummistiefel hat sich einmal mehr bewährt. Dank der Arbeit im Pferdestall sahen wenigsten weder Stiefel noch Tierarztmantel neu aus und ich nicht ganz wie ein Backfisch.Einer der Bauern meinte mit einem Lächeln auf den Stockzähnen, dass er "die Neuen" danach beurteilt, wie gut sie die Vene treffen. Seine Kuh behandelte zum Glück der erfahrene Praxisinhaber. Und ich als noch-Studentin hab' noch etwas Galgenfrist, bis alles sitzen muss.Ich lerne schnell, dass Bauern heutzutage absolute Profis sind und ihre Höfe wie Unternehmen topmodern managen. Die Legende des "dummen Bauern" ist definitiv Geschichte. Die Tiere sind dennoch nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass relativ lange in ein Tier investiert wird und teilweise hohe Tierarztkosten in Kauf genommen werden. Jede einzelne Behandlung wird notiert, jede Tierbewegung braucht ein Begleitdokument, alles zum Schutz des Konsumenten.Ich war froh, als ich einem Pferd Blut entnehmen durfte. Endlich einmal etwas, was ich wirklich kann. Vene stauen - Zack Nadel rein - das Blut fliesst sofort - die Röhrchen sind gefüllt. Kein einziger Tropfen Blut an den Händen. So musste es sein. Eine Minute später war das Pferd wieder auf der Weide und 5 Minuten später wir schon wieder unterwegs zum nächsten Hof.Die Bäuerin lächelte mich verschmitzt an und fragte gleich, ob ich nicht eine Pferdetierärztin sei, als ich wohl etwas ungeschickt versuchte Nähte an einer Zitze zu entfernen. Ich verneinte mit einem Grinsen. Sie war erstaunt, ich sähe drum aus wie ein "Rösseler". Ich lachte nur und fragte sie, wie man sich demzufolge eine Nutztierärztin vorstellen müsse. Darauf wusste sie keine andere Anwort als: "Anders halt."Der nächste Bauer traff es denn genauer, als er gleich sagte: "Sie machen sicher später nach dem Studium Kleintiere, oder?!" Auf Berndeutsch klang das natürlich etwas anders: "Jä nei, gäuit, Dir sit sicher ender ä ChliiTierChnübler?!"
Inzwischen beschnupperte mich eine Kuh von hinten und nach einem Zupfen an meinen Haaren merkte sie wohl, dass diese wegen des Blumenshampoos definitiv nur wie Blumen rochen, nicht aber danach schmeckten. (Merke: keine Blumenshampoos mehr.)
Ausserdem hab' ich noch was zu vermerken: die schönsten Bauern sind die Biobauern, auch wenn die Berner den Bündnern noch lange nicht den Rang ablaufen können - trotz des schönsten Dialekts der Schweiz.
Edit im Oktober 07: Kühe stinken nicht. Schweine stinken.Labels: Vetmed
Sonntag, August 05, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 07:22
Neusten Meldungen zufolge, sollen 50 km südwestlich von London auf einem Betrieb 60 Rinder am 3. August 2007 positiv auf Maul-und Klauenseuche getestet worden sein. Unser Bundesamt für Veterinärwesen hat zwar in einem Interview des Schweizer Fernsehens dazu Stellung genommen und erklärt, es befänden sich bereits 11 Schafe, die kürzlich aus England importiert wurden im Hochsicherheitslabor zur Überwachung und dass ein sofortiges Importverbot von lebenden Tieren und Tierprodukten aus England verhängt wurde, jedoch auf der offiziellen Internetseite des BVet findet man heute Sonntag Morgen noch keinerlei Informationen darüber. Ebenso die internationale Meldestelle für Tiergesundheit "O.I.E", die jede gemeldete Tierseuche weltweit erfasst und publiziert, meldet noch nichts.
Sofort werden bei mir Bilder wach von brennenden Tieren im Jahr 2001...Eine Rückschau auf die Ereignisse im Jahr 2001
Am 19. Februar 2001 bemerkte ein Tierarzt in Essex, in der Nähe von London, dass sich vor 3 Tagen angelieferte Schweine auffällig passiv verhielten. Als er sie genauer betrachtete, hatten sie Läsionen an der Rüsselscheibe und im Zwischenklauenspalt. Aufgrund der Serologie (Blutuntersuchung auf Virus oder Antikörper) wurde sein Verdacht "Maul- und Klauenseuche" bestätigt.
Wieso ist das MKS-Virus gefährlich?
Das MKS-Virus ist hoch infektiös. Nur schon 10 Erreger reichen, um eine Kuh zu infizieren. Wie gross die Gefahr einer Ansteckung ist, verdeutlicht die Tatsache, dass ein infiziertes Schwein innerhalb einer Stunde an die 10 Millionen Erreger ausscheiden kann. Zudem ist das Virus lange überlebensfähig in der Umwelt: im Stallmist, in Transportern, an Stiefeln, in tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Milch!, Käse, etc.). Als Aerosole kann es zudem kilometerweit mit dem Wind verbreitet werden.Infizierte Tiere werden rasch krank (einige Tage) und zeigen einen Leistungsabfall, Apathie, Schwäche, Lahmheit, Milchrückgang bis Totgeburten. Ausserdem Aphten (Blasen) an Klauen, Zunge, Maulschleimhaut, Rüsselscheibe und Euter. Die Tiere sterben nicht an dieser Krankheit, sie ist aber extrem schmerzhaft. Der Mensch kann sich nicht anstecken. Auch Pferde und andere Haustiere nicht. Jedoch sind alle Paarzeher betroffen (Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Rotwild, Büffel, etc.). Die Maul- und Klauenseuche ist die bedeutenste wirtschaftliche Seuche!
Warum diese rasche Ausbreitung?
Der Tierarzt in Essex musste sofort Meldung machen. Die Presse berichtete am 20. Februar erstmals über den Ausbruch. Es war wichtig herauszufinden, woher die Schweine kamen und mit welchen anderen, für die Krankheit empfänglichen Tiere sie möglicherweise Kontakt hatten. Die Tiere waren aber schon einige Tage krank und setzten inzwischen Milliarden von Erregern frei. Und tatsächlich waren an ihrem Herkunftsort, 800 km nördlich von London, bereits weitere Tiere erkrankt: Schweine, Rinder und Schafe.In England leben 35 Millionen Schafe und im Februar ist Hauptmarktzeit. Die Schafzüchter gehen oft auf 4 bis 5 Märkte täglich, bis sie die Tiere zum besten Preis verkaufen können. Somit sind in England im Februar ungefähr 100'000 Schafe täglich unterwegs. Darunter auch Schafe aus der Nachbarschaft der erkrankten Schweine. Besonders tückisch ist die Tatsache, dass Schafe oft gar keine Symptome zeigen der Krankheit, aber das Virus weiter verbreiten können.
Wie konnte man die Seuche stoppen?
So kam es, dass in weiten Teilen Englands verseuchte Betriebe gemeldet wurden. Im März 2001 kamen täglich 50 neue dazu. Diese Höfe unterlagen einer Sperrmassnahme. Es durften weder Tiere, noch Personen oder Waren den Hof verlassen. Es gab eine 3 km Schutzzone um den Betrieb, in der kein Tierverkehr erlaubt war. Ebenso in der 10 km Überwachungszone, wo nur mit Spezialbewilligung und nur nachweislich gesunde Tiere in die normale Schlachtung verbracht werden durften. Die Klauentiere des verseuchten Hofes, wie auch diejenigen aller benachbarten Betriebe und weiterer Kontaktbetriebe wurden getötet und verbrannt.Die Massnahmen zeigten ab Juni 2001 Erfolg. Jedoch wurden immer wieder Ausbrüche gemeldet. Dies vor allem, weil sich Schafzüchter nicht an die Sperrmassnahmen hielten und weiterhin illegal handelten.
Eine wirtschaftliche Katastrophe:
Als Ende September 2001 der letzte Fall auftauchte, hatte der Erreger Nutztiere auf mehr als 2'000 Höfen befallen. Weitere 8'000 waren entweder benachbart oder hatten Kontakt zu den verseuchten Tieren. Es wurden 7.5 Millionen Tiere getötet und verbrannt. Weil die Kapazität der Verbrennungsanlagen nicht ausreichte, mussten sie improvisieren. Die brennenden Tierkadaver auf dem Scheiterhaufen sind uns allen noch im Gedächtnis.
7'800 Bauern verloren ihre Existenz. Die wirtschaftlichen Verluste betrugen 7.1 Mia SFr. in der Landwirtschaft und weitere 7.2 Mia SFr. durch ausbleibenden Tourismus.
Wie reagierte das europäische Festland?
Die EU und die Schweiz verhängten eine sofortige Importsperre über Tierimporte aus England. Ausserdem durften keinerlei Tierprodukte importiert oder eingeführt werden. Tierverkehr im Inland und Viehmärkte wurden teilweise verboten
Trotzdem kam es zu 2 Ausbrüchen in Frankreich und 26 in Holland. Man fand heraus, dass kranke Schafe aus England via eines irischen Handelsstalles nach Frankreich importiert wurden. Frankreich tötete daraufhin 60'000 mögliche Kontakttiere. Nach Holland kam der Erreger mit Kälbern aus Irland, die im selben Handelsstall standen, wie die Schafe aus England. Auch weitere Länder töteten vorsorglich mögliche Kontakttiere. Wegen fehlender Kapazitäten wurde oft Notgeimpft, um die Virusverbreitung einzudämmen und die Tiere später getötet und entsorgt.
Warum impft man nicht?
Bis in die 70er Jahre war der Erreger der Maul- und Klauenseuche endemisch in Europa. Mit einem grossangelegten Impfporgramm konnte der Erreger in Westeuropa weitgehend eliminiert werden. Der letzte MKS-Fall in der Schweiz war 1980. Seit den 90er Jahren wird darum nicht mehr geimpft.
Das MKS-Virus hat verschiedene Serotypen (7) und diverse Subtypen (65), die je nach Region unterschiedlich sind. Der Erreger des Ausbruchs 2001 stammte aus Asien. Unsere Tiere hätten sich auch geimpft angesteckt, weil unsere Impfung in der 80er Jahren einen Cocktail aus den 3 europäischen Serotypen enthielt. Da wir nicht gegen alle diese Serotypen und Untertypen impfen können die weltweit vorkommen, beschränkt sich Westeuropa auf die Kontrolle der Importe lebender Tiere und deren Produkte aus gefährdeten Gebieten und der geziehlten Impfprogramme in der Türkei, die als europäische Pufferzone zum "MKS-Gürtel" gilt, der vom asiatischen Teil der Türkei, Indochina, weite Teile Afrikas bis Südamerika geht.
Mit der Globaliserung und damit verbundenen weltweiten Handel mit Tieren, Tierprodukten und dem Individualverkehr, kann man die Verbreitung des MKS-Virus nur prophylaktisch eindämmen. Jede Person, die illegal rohes Fleisch, ungenügend erhitztes Fleisch und andere, nicht fachgerecht verarbeitete Tierprodukte aus den Ferien oder dem Heimatland mitbringt, kann das Virus verschleppen. Und damit auch viele weitere Krankheitserreger, wie zum Beispiel der der Schweinepest oder die potentiell für Menschen gefährliche Vogelgrippeviren.
Korrekt verarbeitete Produkte wären keine Gefahr, nicht zuletzt deshalb ist die Massenvernichtung der (gesunden) Verdachtstiere sowohl wirtschaftlich wie auch ethisch eine einzige riesige Verschwendung von Ressourcen, Genmaterial und natürlich Tierleben.
Wie kam das MKS-Virus nach England?
Nach England kam das Virus mit (illegalem?) Rohfleisch-Import aus Asien in ein lokales Restaurant. Das Fleisch wurde in diesem Restaurant dann nicht vorschriftsmässig erhitzt und in den verfütterten Fleischabfällen war genug Virusmaterial, um die Schweine, die später in Essex als erste gemeldet wurden, anzustecken.
Wird 2007 ein neues Seuchenjahr?
Ob sich die Seuche wieder so schnell ausbreitet, hängt davon ab, wie rasch der jetzige Ausbruch erkannt wurde, ob die Kontakttiere schnell ausgemacht werden können und ob die Virusquelle lokalisiert werden kann. Natürlich müssen die Sperrmassnahmen eingehalten werden. Da das Seuchenbewusstsein sowohl bei Tierärzten wie auch Bauern seit 2001 viel höher ist, lässt uns hoffen, dass es bei diesem einzigen Seuchenausbruch bleiben wird.
Ich werde Euch auf alle Fälle auf dem Laufenden halten.
Labels: Vetmed
Montag, April 30, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 11:33
Ultraschallbild eines Kuhabdomens. Man sieht prallgefüllte, dilatierte Darmschlingen.Labels: Rätsel, Vetmed
Donnerstag, Februar 15, 2007
posted by ChliiTierChnübler at 10:30
Es ist wirklich ein saugeiles Gefühl, nach einer Prüfung vom Examinator die Höchstnote zu erhalten!
Labels: Staatsexamen, Vetmed
Donnerstag, August 24, 2006
posted by ChliiTierChnübler at 13:29
Was denkt ihr, was wird wohl an einer Prüfung über den Geschlechtsapparat der Haustiere so alles gefragt? Keine Antwort? Ich helfe gerne weiter:
Damit ihr wisst, wie's dem Chnübli so Intra-Examina beim Erfinden von neuen Krankheiten, Erregern und Anatomischen Strukturen erging, fordere ich euch auf, mir zu sagen, was dieses kleine Bildchen denn darstellen soll?!Labels: Rätsel, Staatsexamen, Vetmed
Dienstag, August 22, 2006
posted by ChliiTierChnübler at 12:26
Es gibt in meinem Leben genau 1 Mann, der mit mir über Mathematik diskutieren kann, ohne dass ich flüchte und es ist kein Blogkollege. Das soll nicht bedeuten, dass ich Naturwissenschaften oder phil.nat.-Studiengängen abgeneigt gegenüberstehe, im Gegenteil, nur mit dem rein logischen Beweisen, womit sich die Mathematik beschäftigt, kann ich herzlich wenig anfangen. Physik zum Beispiel kann unglaublich unterhaltsam sein, solange man das Herleiten der zu anwendenden Formel ausser Acht lassen kann.Mit Chemie und Molekularbiologie bin ich bestens vertraut. Ich bin heute noch stolz darauf, dass ich das Buch "Chemie für Mediziner" bis zur letzten Seite durchgeackert habe für's erste Propä und meine Bestnote an der Prüfung meinem Wissen und nicht den kursierenden Prüfungsaufgaben der letzten Jahre zu verdanken hatte.
Mein Herz schlägt aber für die Biochemie und Immunologie. Es ist einfach unglaublich, was unser Körper täglich auf der molekularen Ebene leistet mit Erneureung der Substanz, dem Abbau der Nahrung, dem Abtransport von potentiell toxischen Abbauprodukten und der immunologischen Abwehr gegen pathogene Keime aus der Umwelt.
Jedes Produkt aus unserer Umgebung, das der Körper nicht als "selbst" erkennt, hat für unser Immunsystem einen antigenen Charakter. Welche davon potentiell pathogen, also krankmachend sind muss unser Körper in der immunologischen Reifung erst lernen. Er entwickelt Antikörper, die dann fremde Substanzen markieren und so durch die Zellen der Abwehr (weisse Blutkörperchen) eliminiert werden können.
Genau hier besteht ein grosser Unterschied zwischen dem Mensch und den meisten Tieren:
Der menschliche Foet ist mit der Mutter durch eine sogenannte hämochoriale Plazenta verbunden, auch Vollplazenta genannt. Der Vorteil ist, dass Antikörper, die sich in der Blutbahn der Mutter befinden, in das Blut des ungeborenen Lebens übergehen können. Wird das Kind nun geboren, ist es Millionen von Keimen ausgesetzt, aber dank den Antikörpern der Mutter steht es diesen nicht ungeschützt gegenüber. Dieser Schutz besteht nicht lange, das Kind bildet dann selber eigene Antikörper durch z.B. Krankheit oder Impfung.
Bei den Tieren besteht dieser maternale Schutz zum Zeitpunkt der Geburt nur bei Primaten und Nagetieren, und in sehr geringem Mass auch bei Fleischfressern (endotheliochoriale Plazenta).
Was ist es nun bei den Pferden, Wiederkäuern und Schweinen?
Hier gibt es ante partum (vor der Geburt) keinerlei Austausch von Immunoglobulinen durch die epitheliochoriale Halbplazenta. Das Jungtier kommt mit völlig naivem Immunsystem zur Welt und ist den oft ubiquitär vorkommenden opportunistischen und teilweise pathogenen Keimen schutzlos ausgeliefert. Die Natur hat nun eine gute Lösung für das Problem. In der Milch der Mutter steigt die Antikörpermenge vor der Geburt auf ein Vielfaches an. Die allererste Milch nach der Geburt, das Kolostrum, enthält also die schützenden Immunoglobuline. Während kurzer Zeit können diese im Darm des Neugeborenen durch die Darmwand aufgenommen werden und somit wird auch hier ein maternaler Schutz aufgebaut. Da sowohl die Aufnahmefähigkeit der Immunoglobuline im Darm des Neugeborenen wie auch der Anteil dieser in der kolostralen Milch innert 24 Stunden drastisch abnimmt, ist es überlebenswichtig, dass Neonatale nach der Geburt als erstes Kolostrum trinken und dieses auch nicht abgemolken und andersweitig Verwendung findet als in der Erstversorgung von Neugeborenen.
Damit zum Beispiel Fohlen, deren Mutter während der Geburt gestorben sind, trotzdem eine gute Überlebenschance haben, hat Pierre Matile einen schweizweiten Fohlennotfalldienst gegründet.
So, wer bis hier durchgehalten hat mit Lesen, dem sei gedankt, leichtere Kost folgt nach den Prüfungen, wenn ich mich wieder trivialeren Themen wie Männern, Konzerte und Parties widmen kann.
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